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SIMON VILLIGER, 13. April 2022

Unser Ambassador, Simon Villiger, zieht es jedes Jahr über Monate nach Indien. Mit seiner Geschichte und den Bildern vom ersten Mal Reisen in Indien, versucht er uns aufzuzeigen, warum er sich so fest in die Menschen und die Kultur in Indien verliebt hat.

Da fragt man sich dann schon, was sich alles verändert hat, ausser das ich heute schon über 40 bin und seit über 15 Jahren nach Indien reise. Naja, persönlich entwickelt man sich ja, das glaubt der eine oder andere zumindest. Ich behaupte das jetzt mal von mir. Ich sehe mich heute als jemanden, der positiv durch das Leben zu gehen versucht. Ich sage euch: weniger ist mehr, wie schön war es doch, als diese analogen Kameras noch normal waren. Kein Computer mit rum schleppen, keine Sorgen, ob den die neuste Version schon da ist, wird mein Leben besser, werden meine Fotos besser, höher schneller weiter.

Das Bild zählt, die Emotion, fotografisch ist die Welt nur ein Moment. Ich vermisse diese Zeit, des digitalen Nichts.

Trotzdem, wie geil wäre es dazumal gewesen, eine digitale Kamera zu besitzen, wie wir sie heute zu Verfügung haben? Wie geil wäre es dazumal gewesen so eine Kamera aus dem Jahr 2022 zu haben? Im Jahre 1990 oder noch früher. Wie würde denn unser Bewusstsein aussehen wenn die digitale Revolution 40 Jahre früher stattgefunden hätte? Sehr wahrscheinlich würde ich in dem fall diesen Blogpost gar nicht schreiben.

Ich zappe durch die Bilder aus dem Jahre 2004. Selbstverständlich digitalisiert und (digital) bearbeitet. Daneben trinke ich ein Bier. Und noch eins. Wer kennt das nicht, wenn man sich mit seiner Vergangenheit auseinander setzt?

Egal, ich schweife ab und ich gehe zurück zu meinen Fotos aus dem Jahr 2004, aufgenommen mit einer Canon A1 und einem 28 mm. Ich mag die Farben meines Filmes, ich kann mich nicht mehr erinnern was für ein Film es war, gekauft irgendwo bei einem Kiosk im Norden von Indien.

In den ersten drei Wochen war ich mit Shalil Shanlkar von Mumbai nach Kolkata und hoch nach Delhi mit dem Zug gereist. Shalil war ein Mitbewohner von mir und mein Tor nach Indien. Später hab ich mich von Shalil in Delhi verabschiedet und war auf mich allein gestellt. Ohhhh Boy, dann kam die Realität. Ohne seine Beziehungen und Kontakte, die mich an spannende Orte führten, wie in das Zuhause des ehemaligen Kultur-Ministers Indiens oder in das Zuhause eines Radiomoderators in einem Slum in Mumbai. Die Gegensätze konnten nicht grösser sein und ich musste meinen Weg selber finden.

Was kriegst du für CHF 3.50 pro Nacht? Ein kleines beschissenes Zimmer in Delhi an einem Ort namens Paharganj. Ich erinnere mich noch gut, als ich von dem Hotel los lief, durch die überfüllten Strassen, überfüllt mit allem was man auf eine Strasse packen kann. Der Geruch oder eher der Gestank ist in meine olfaktorische Erinnerung eingebrannt. Wenn ich nur ansatzweise den Geruch von Teer wahrnehme stehe ich wieder auf dieser Strasse in Alt Delhi, auf dem Weg zum Bus, der mich an die Grenze zum Himalaya bringen wird. 

Dies war der Anfang meiner Reise durch Indien und die Liebe der zu diesem Land und seinen Bewohner entstanden ist. 

Einer meiner ersten Stops war Almora, ein kleines Dorf am Vorderen Himalaya im Bundesstaat Uttarakhand. Von hier startete eine sehr herausfordernde Exkursion, zu einer von den Engländern erbauten Residenz mitten im Himalaya. Es war der erste Kontakt von vielen mit Durchfall-Erkrankungen. Ich habe damals einen hier heimischen Inder getroffen, der mich auf diese Exkursion eingeladen hatte. 

Auf der Fahrt zu unserem Start, für die Wanderung, durchquerten wir viele kleine Dörfer mit dem Auto und hatten schöne und lustige Begegnungen dank der lokalen Bevölkerung. Eine dieser Begegnungen zeigt das Bild, entstanden auf der Rückreise, einer Frau die die Ernte nach Hause trägt, mit der Abendsonne im Rücken. 

Am Morgen, als wir losfuhren, hatte ich die ersten Anzeichen eines schwachen Magens. Was sich dann während der Wanderung zu extremen Bauchkrämpfen und Blut erbrechen verschlimmerte. Es gab kein Zurück mehr und ich musste diesen Berg hoch, was ich dann auch tat. Glücklicherweise beruhigte sich mein Magen dann am Ziel. Ich dachte, das wars, ich komme nie wieder runter von diesem Berg. Tage später stellte sich dann heraus, das ich an einer Amöbenruhr erkrankt bin, echt üble Sache. 

Kleine Teeshops findet man in ganz Indien bis in die letzten ecken des Landes. Fantastisch finde ich wenn der Tee auf dem Feuer gekocht und dann in kleinen Einweg-Tontassen serviert wird. Immer mit Milch und sehr viel Zucker. Diese Art von Tee ist in Indien überall erhältlich, bekannt unter dem Namen Chai. Meistens starker Schwarztee, Mich und Zucker. Oder auch als Masala Chai, der kommt mit Gewürzen variierend mit Kardamom, Zimt, Ingwer, Pfefferkörner, Indische Lorbeerblätter, Nelken und Muskat. 

Der Hindustan Ambassador, King der Indischen Strassen ist ein in Indien sehr oft gesehener Klassiker, produziert zwischen 1958 bis 2014. Für mich vereint das obige Bild zwei Indische Legenden. Ich hatte mal einen Taxifahrer in Mumbai der mich zum Flughafen fuhr. Ich war etwas verspätet unterwegs, was ich dem Chauffeur sagte. Komischerweise hatte dieser Ambassador kurz vor dem Flughafen ein Getriebe-Problem, was dann mit ein paar Rupees schnell wieder behoben war. 

Blick über das Spiti Tal und den Fluss

2004 habe ich eine lange Zeit Im hohen Norden von Indien verbracht, mitten im Himalaya. In einem kleinen Dorf genannt Kibber im Spiti Valley. Ein Ort, wo ich mich sehr zuhause fühlte, Spiti bedeutet „Land, das dazwischen liegt“ zwischen Indien und Tibet. Galt damals als das höchstgelegene Dorf mit Elektrizität auf 4270 m.ü.M. 

Morgendliche Versammlung der Dorftiere für die Wanderung zu den saftigen Steppen 

Die Reise von Delhi in den hohen Norden kann anstrengend sein. Pässe über 5000 m.ü.M sind zu überqueren und stundenlange Fahrten auf Schotterstrassen in öffentlichen Bussen. Ich selber kämpfe immer wieder mit der Reisekrankheit und Übelkeit, wenn Strassen teilweise geteert sind und der Busfahrer Gas geben kann. 

Die Schönheit dieses Landes und deren Bewohner ist atemberaubend ,ein paar Worte und einige Fotos können es kaum beschreiben. 

Die Wochen, die ich im Dorf Kibber verbracht habe, haben mich gelehrt, dass der Besitz von materiellen Werten uns viel Freiheit raubt. Das ein kleines Dorf im Himalaya strukturiert und klaren Regeln folgt und durch den Handel mit den Dörfern der Region eine beinahe autarke Lebensphilosophie mit sich bringt. 

Auf dem Dach des aus Lehm und Holz gebauten Hauses der Familie die mir ein Zimmer vermietet hatte

Ich Liebe und Schätze Indien in seiner Vielfalt an Kultur, Essen und Neugier. Ein Land das tief mit seinen Bewohnern verbunden ist. Alles ist möglich in Indien, so sagen sie und folgen ihrem Instinkt und Herzen.  

Mein Zimmer
Der Reisende Zahnarzt während eines Festes und einer Lesung des 14ten Dalai Lamas

Simon Villiger

Reisefotograf & LINGS Ambassador

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Lieblingsgegenstand bei LINGS: Nikon D850

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