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Fabio Antenore, 07.05.2021

Etwas über ein Jahr ist es nun her, seitdem die Welt begonnen hat, Kopf zu stehen. Von einem Tag zum nächsten, war alles nicht mehr möglich, womit ich als Fotograf mein Geld verdient hatte. Hätte mir vor zwei Jahren jemand gesagt, dass plötzlich Reisen und Events, ja sogar einfaches Einkaufen oder etwas Trinken gehen, nur noch bedingt unter strengen Auflagen bis überhaupt nicht möglich ist, hätte ich ihm geraten Science Fiction Autor zu werden. Doch das alles ist nun unsere Realität und wir alle mussten uns neu orientieren.

Anfangs dachte ich wie die Meisten nicht, dass sich das alles so lange hinzieht. Ich verdiente den Grossteil meines Einkommens durch Fotografie-Workshops, Fotoreisen, Fotografie-Coachings, Vorträge an Messen und Events oder kleineren Auftragsarbeiten. Das alles war plötzlich nicht mehr möglich und ich verlor von einem Tag zum nächsten ca. 80% meines Einkommens. Klar, es gibt ja auch noch die staatliche Unterstützung. Einziges Problem dabei war, dass die ganzen Fotoreisen ein Teil der Reisebranche sind und wie sicherlich viele wissen, fehlte da die staatliche Unterstützung praktisch völlig. Und der andere Teil, wie Vorträge, Workshops oder Coachings, zwar jährlich oder monatlich wiederkehrende Aufträge oder selbst organisierte Veranstaltungen, die allerdings immer eher kurzfristig gebucht oder organisiert wurden und somit einfach weggefallen sind, ohne etwas Handfestes zu haben, um Ausgleichsleistungen beantragen zu können.
Dazu kommt noch, dass ich als Landschaftsfotograf, welcher den Grossteil seiner Promo über Social Media macht, konstant neues Material von Reisen in entfernte Länder braucht, um im Gespräch zu bleiben. Ohne Reisen keine neuen Bilder, ohne neue Bilder keine Reichweite, ohne Reichweite noch weniger Kunden.

Zu Beginn der Pandemie war ich vielen anderen aus meiner Branche gegenüber, klar im Vorteil. Glücklicherweise habe ich schon fast zwei Jahre davor begonnen, mein Wissen in Online Tutorials über meine Webseite zu verkaufen. Somit war ich erst mal mehr oder weniger fähig, mich über Wasser zu halten. Was davor nur ein kleiner Teil meines Einkommens war, wurde plötzlich zur Haupteinnahmequelle. Ich war mir aber sicher, dass dies nicht ewig funktionieren würde. Viele andere Fotografen mussten nun ebenfalls nach neuen Kanälen suchen, um ihr Einkommen zu sichern. Und Zeit hatten ja alle mehr als genug. Was passiert, wenn nun plötzlich jeder Fotograf, der denkt er könne auch noch jemandem etwas beibringen, ebenfalls einen Videoworkshop erstellt, kann man sich ja vorstellen. Der Markt wurde überschwemmt mit hunderten von Tutorials, welche (gerade aus dem Ausland) teilweise zu Preisen angeboten wurden die in der, leider etwas teureren Schweiz, gerade mal für ein Abendessen genügen. Und damit meine ich nicht ein Abendessen im Grand Hotel Dolder, eher am Dönerstand um die Ecke. Also war schnell auch diese Einnahmequelle versiegt. Mittlerweile hatten sich aber dann der Grossteil der potentiellen Kunden daran gewöhnt, Meetings, beziehungsweise allgemein soziale Kontakte ausserhalb der Familie, über Zoom, Teams, Skype und so weiter abzuhalten. Nun versuchten viele meiner Auftraggeber und Partner zumindest Theorie Workshops so durchzuführen und ich konnte damit wieder etwas Einkommen generieren. 

Da ich aber noch immer nicht daran glaubte, dass sich alles bald wieder normalisierte, genügte das bei Weitem nicht. Mein nächster Versuch war dann, mittels einem Crowdfunding, mein erstes FineArt Buch zu realisieren, um im neuen Jahr damit etwas zusätzlich zu erwirtschaften. Das Buch war zum Ende des Jahres, pünktlich zum Weihnachtsverkauf, verfügbar und hat mir ebenfalls wieder etwas über die Runden geholfen. Allerdings funktionierte auch dies nicht ganz so gut, wie ich mir das vorgestellt hatte, also weiter im Takt.

Die schwierigste Zeit ist für mich gerade in diesem Moment. Zwar haben mittlerweile Geschäfte wieder geöffnet und sogar Restaurants, welche über eine Terrasse verfügen, aber das Reisen ist noch immer nicht richtig möglich. Wir mussten dieses Jahr bereits drei geplante Reisen absagen und auch Workshops innerhalb der Schweiz finden nur bedingt statt. Also arbeite ich an weiteren Projekten, die mich absichern sollen. Wenn ich in den letzten Monaten eines gelernt habe, dann dass ich als selbständig erwerbender meine Einnahmequellen so divers wie möglich anlegen sollte, um das Risiko zu verteilen. Damit bin ich für künftige Situationen, wie diese gewappnet. Was das für mich konkret heisst; ich arbeite aktuell in drei unterschiedliche Richtungen und hätte dann somit künftig sechs verschiedene Einnahmequellen, welche hoffentlich nicht mehr alle gleichzeitig ausfallen. Eines meiner aktuellen Projekte ist eine neue Version meines kostenlosen Panels für Photoshop. Beziehungsweise eine Pay Version, welche mit einem nie da gewesenen Konzept daherkommen wird. Mit diesem Plugin wird es praktisch jedem, auch ohne grosse Photoshop Kenntnisse möglich sein, seine Bilder zu bearbeiten. Ein anderes Projekt hat mit dem Verkauf und der Vermietung von gedruckten Bildern zu tun. Da darf ich leider noch nicht mehr dazu sagen, doch sobald es soweit ist, wirst du über meine Social Media Accounts mehr erfahren.

Und dann ist da ja noch die Crypto Art Szene. Viele haben sicherlich mitbekommen, dass ein sogenanntes NFT Kunstwerk für 69 Millionen Dollar verkauft wurde. Diese Szene ist gerade extrem im Kommen. Ich hatte dort vor kurzem das grosse Glück, mit zwei jungen Herren zusammen gebracht zu werden, welche an mich und meine Kunst glauben und mit mir zusammen diese Reise in die NFT Welt begonnen haben. Letzte Woche haben wir unser erstes Krypto Kunstwerk für die stolze Summe von 1.2 ETH, was in etwa 3000.- Franken sind, verkauft. Da dies unser erster Verkauf war, hatten wir von Anfang an geplant, alles zu spenden und unterstützen damit unter anderem die Bali Dog Association, die sich der Rettung von Strassenhunden auf Bali verschrieben hat und durch die Krise ebenfalls in Geldnot ist. Mit dem Erlös dieses Verkaufes können die Hunde einen weiteren Monat essen, was mir persönlich wichtiger ist als mein eigenes wohl. Künftig könnte aber auch dies eine gute zusätzliche Einnahmequelle sein. Sagen wir es mal so, für alle diese Projekte hätte ich wohl keine Zeit gehabt, wäre diese Krise nicht gewesen. Und neben der Verlobung mit der Frau meines Lebens hat Corona trotz den vielen Tiefschlägen, auch zahlreiche weitere „positive“ Wandlungen  für meine Zukunft eröffnet. Vor Corona erwirtschaftete ich grundsätzlich mein gesamtes Einkommen mit dem Vermitteln meines Wissens über die Fotografie an andere.
Wenn alles wie geplant funktioniert, werde ich künftig nicht mehr von der reinen Wissensvermittlung abhängig sein. Ich habe ein Buch im Verkauf, ein neues Photoshop Plugin, Bildverkauf und Bildvermietung in der echten Welt, und Bildverkauf in der virtuellen Welt. Manchmal braucht es eine Krise, um sich neu zu erfinden.


Fabio Antenore

Fotograf, Coach, Brandambassador

@fabioantenore

Lieblingsgegenstand bei LINGS: Fujifilm GFX 100

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