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SEYA EGGLER, 31.07.2020

Wer sich fragt, warum so viele Militärbilder auf unserem Instagram Kanal sind: Unser Ambassador Seya ist fertig mit seiner Lehre und hat sich entschieden die Durchdiener-RS zu absolvieren. Dabei wurde er nun zum Kompaniefotograf. In diesem Post erzählt er euch, was ein Kompaniefotograf so macht und welche Vorzüge er dabei hat im Gegensatz zu den anderen Soldaten.

Endlich habe ich die Lehre fertig und jetzt kann ich meine Träume der Selbständigkeit verfolgen. Genau für 3 schöne Monaten konnte ich dem nachgehen und gründete in dieser Zeit meine erste Firma. Anschliessend kam der Marschbefehl für 300 Tage Militärdienst am Stück, als Infanterist. Eigentlich wollte ich unbedingt Gebirgsspezialist Durchdiener werden, das hat leider nicht geklappt, da nur eine gewisse Anzahl an diese Rekrutenschule können und ich sehr spät rekrutiert wurde. Als Alternative wurde mir dann bei der Rekrutierungsstelle die Infanterie empfohlen. Selbstverständlich wusste ich, dass dies definitiv nicht annähernd dasselbe ist. 

Wie man so schön sagt: »Das Leben ist kein Wunschkonzert.» Demnach ruckte ich voller Nervosität und erwartungsvoll am 13. Januar in meinen obligatorischen Militärdienst in Birmensdorf bei der Infanterie Durchdienerschule 14 in ZH ein. Direkt nach den ersten Stunden wusste ich bereits, dass mir das ganz und gar nicht gefällt. Es ging für mich von «keinem Chef zu 100 Chefs» in nur ein paar Sekunden. Plötzlich musste ich innert wenigen Minuten Essen, in Zweierreihe laufen, täglich meine Schuhe putzen und noch vieles mehr. Der ganze militärische Alltag machte mir allerdings keine Probleme. Das Einzige was mich wirklich störte, war wie unpersönlich und unterwürfig wir Rekruten behandelt wurden. Das ganze «Anmelden» und auch schon nur das «Siezen» ging mir Definitiv auf den Wecker.

Zum Glück konnte ich 3 Tage vor dem RS-Start meine Autoprüfung abschliessen. Dadurch konnte ich eine Zusatzfunktion als Fahrer C1 machen. Ich bekam so eine zivilanerkannte C1 Ausbildung (kleine Lastwagen) und musste auch weniger Schiessen. Diese beiden Punkte waren durchaus positiv für mich. Die Fahrerausbildung gefiel mir extrem. Mit den geheizten Duros und G-Klassen inklusive Anhänger zu manövrieren brachte mir sehr viel. Ich konnte auf Grund von dem viel Fahrpraxis gewinnen. Selbstverständlich war das nicht das einzige was mir gefiel. Das Militär hatte auch noch einige positive weitere Aspekte. Zum Beispiel die Kameradschaft und Hilfsbereitschaft untereinander ist meistens sehr gut gewesen. Mit guten Kameraden war der unnötigste Befehl ertragbar gewesen.

Während der Fahrerausbildung kam ich mit dem Oberst (Schulkommandanten) ins Gespräch und er sagte mir, dass er einen Kasernenfotografen suchte. Kurz darauf wurde mir nochmals erklärt was ich machen muss als Fotograf und was meine Vorteile bei dieser neuen Funktion sein werden. Dann musste ich fast zusagen und konnte so dem üblichen Militäralltag ein wenig entfliehen und etwas machen was ich für sinnvoll halte. Im Grundsatz ist meine Arbeit sehr einfach zu beschreiben. Ich muss die Wochenpläne der Kompanien anschauen und die spannendsten Ausbildungstage aussuchen. Anschliessend mache ich mein persönliches Kameraequipment bereit und begebe mich zu den jeweiligen Ausbildungsplätzen. Da halte ich das Geschehen in möglichst qualitativ hochwertigen Bilder fest. Voraus muss ich noch darauf achten, dass ich nebst dem richtigen Kameraequipment auch die korrekte militärische Schutzausrüstung angezogen habe. Beim normalen Schiessen muss ich nur den Gehörschutz (Pamir) tragen, aber bei Übungen mit Sprengungen oder Granaten muss ich den Helm mit Brille und die Splitterschutzweste tragen. Ganz wichtig ist dabei die Sicherheitsweisungen zu beachten. Diese erlernt jeder Rekrut in den ersten RS-Wochen. Zum Beispiel darf man bei einer Sprengung keine Einsicht auf die Ladung haben, ausser man kann ein Abstand von ca. 50m einhalten. Nach dem Fotografieren geht es wie immer an die Bearbeitung. Mit der Bearbeitung personalisiere ich die Bilder nochmals und optimiere sie bestmöglich. Später wird jedes einzelne Bild vom Oberst der Kaserne kontrolliert und bei der Freigabe inklusive einem kurzen Text auf Facebook veröffentlicht. Natürlich musste ich direkt für die Infanterie Durchdienerschule 14 auch ein Instagram Account erstellen. Demnach lade ich die Bilder auf diese beiden Kanäle hoch. Weiter werden die Bilder für Flyer, Einladungen, Zeitungsbeiträge, Wandbilder oder für die Sozialen Medien der Schweizer Armee verwendet. 

Nebst normalen Ausbildungen gibt es immer wieder Spezialübungen, da werden interessante Utensilien und Gerätschaften verwendet. Dann kann es sein das Sprengsätze, Granaten, Panzer, Helikopter und vieles mehr zum Einsatz kommt. Ein Highlight war die letzte Leistungsprüfung in der Unteroffiziersschule. Diese startete mit einem 30km Marsch in der Nacht von Birmensdorf nach Brugg. Mit dem Schlauchboot ging es dann weiter. Anschliessend folgte ein 30km Fahrrad-Marsch nach Aarau. Von da aus wurden die angehenden Wachtmeister mit dem Superpuma Helikopter nach Liestal verschoben. Zum Finale gab es noch ein Durchgang auf der Hindernisbahn mit abschliessendem Schiessen mit Sturmgewehr und Pistole. Mit dem Auto habe ich das Ganze mitverfolgt und konnte von jeder Etappe geniale Bildaufnahmen machen. Überraschenderweise durfte ich auch noch mit dem Heli mitfliegen. Allgemein gab es in meiner kurzen aber intensiven Zeit als Militärfotograf sehr faszinierende Szenen zu fotografieren. Sprengungen gehören zu meinen Lieblingssujets. Wie bereits erwähnt muss man bei Sprengungen genau auf die Sicherheitsweisungen aufpassen. Ich als Fotograf darf keine Einsicht auf die Ladung haben bei der effektiven Sprengung, aber die Kamera schon. Also kann ich mit einem Fernauslöser optimal Bilder machen aus aussergewöhnlichen Winkel. Das interessante bei Sprengungen ist das Abwechslungsreiche, jedes Mal sieht die Sprengung anders aus. Je mehr Fett verwendet wird desto grösser ist die Stichflamme, also hoffe ich jedes Mal das genügend davon aufgetragen wird. Genau so entstehen die aussergewöhnlichsten Bilder.

Einen kleinen Strich durch die Rechnung hat die Ausbreitung des Coronavirus gemacht. Auf Grund von Sicherheitsmassnahmen müssen bei jedem Bild die Vorschriften des BAG eingehalten werden. So wurde die ganze Ausbildung in der RS eingeschränkt und so auch ich als Fotograf. Gewisse Motive konnte ich so nicht gewünscht festhalten. Trotzdem fotografierte mich munter weiter und probierte das Beste daraus zu machen. Wenn die 2 Meter Abstand nicht eingehalten werden können, muss eine Maske getragen werden. Auf Grund von dieser Massnahme kam es dann schnell dazu, dass die Schutzmaske mit zum Alltag gehört und so auch zum Bild. Allgemein muss man sagen, dass im Militär die ganzen Corona-Massnahmen weit aus strikter und disziplinierter durchgesetzt werden als in der «Aussenwelt». So mussten alle Rekruten und Soldaten wie auch die Miliz-Kader ca. 6 Wochen am Stück und dann nochmals 3 Wochen am Stück im Dienst bleiben ohne Urlaub bzw. Wochenende. Dass hatte den Zweck, dass die Armee kein Ansteckungsherd wird.

Dennoch gab es Interessantes fotografisch festzuhalten. So kann es sein, dass man spontan eine Spezialübung von Schutz & Rettung ZH muss fotografieren. Da wurde getestet, wie die zivilen Kräften (Sanität, Polizei usw.) und die Armee Angehörigen von unseren Kompanien und des Militärpolizei Spezial Detachements, zusammen arbeiten. Normalerweise gibt es bei einer Militärübung immer wieder Unterbrechungen und wenn etwas falsch lauft, dann wird es halt mal unterbrochen. Bei dieser spezifischen Übung wurde von früh am Morgen bis spät am Nachmittag die Übung ohne Unterbrechung durchgezogen. Es fühlte sich wirklich an wie in einer richtigen Ausnahmesituation bzw. wie es ein effektiver Zwischenfall gab. Ausserwählte spielten die Gegner wie bei einem Terroranfall. Andere Statisten spielten Verletzte und ich mitten drin am Fotografieren. Ich konnte mich fast in die Situation versetzen wie der Job aussieht als Kriegsfotograf. Selbstverständlich war ich froh, dass nur mit «Fake-Patronen» geschossen wurde und nicht mit richtiger Munition.

Ob simulierter Kriegssituation, Helikopterflug, Schiessausbildung oder Schlauchbootfahrt, mir gefällt meine Funktion als Militärfotograf auf jeden Fall. Bis am 4. November 2020 bin ich noch im Dienst. Ab dann freue mich dann auch wieder 100% für meine Foto-, Video & Kleiderfirma zu geben oder vielleicht noch ein paar neue Herausforderungen zu suchen!


Seya Eggler

Outdoorfotograf und Videograf & LINGS-Ambassador

@diaryofseya

Lieblingsgegenstand bei LINGS: Trek Remedy 9.7

One comment on “Seya is in the army now

  1. Toni sagt:

    Er het de geilst Job im Militär

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