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Roger Schüeber, 13.07.2018

Roger erklärt dir, weshalb ein Motivationsloch bei Fotografen nicht nur einmal vorkommt und wie er wieder neue Freude am Fotografieren gefunden hat.

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Equipment und Photoshop Tutorials als Motivation

Am Anfang scheint beim Fotografieren zwar alles extrem kompliziert. Allerdings ist es bezüglich Motivation noch eher einfach. Wie die meisten ambitionierten Fotografen schaute ich Youtube-Videos von bekannten Grössen aus der deutschen Facebook-Community an. Ich bemerkte schon schnell, dass ich, um besser zu werden, mehr Equipment und Photoshop-Skills brauche. Also kaufte ich ein: Blitz, Lichtformer, Stativ, Reflektor, andere Linsen, usw. Um meine Photoshop-Skills aufzubessern, probierte ich verschiedenste Tutorials aus. Alles zusammen hat mir enorm weitergeholfen und ich war fasziniert, wie schnell meine Bilder besser wurden. Nach einem Jahr kam dann das erste Loch. Ich hatte zwar haufenweise Shootings, habe aber bemerkt, dass ich mich fotografisch überhaupt nicht weiterentwickelte.

Jetzt lerne ich richtig zu fotografieren

Ich habe mir überlegt was ich unternehmen soll um bessere Bilder zu erreichen. «Vielleicht sollte ich ein, zwei Schritte zurück gehen und mal richtig lernen zu fotografieren», et voila! Ich habe mir einen Fotografen ausgesucht, dessen Bilder ich wirklich toll fand und habe bei ihm ein Coaching gebucht. Wie kaum anders zu erwarten war, meinte er, was ich bis jetzt gemacht habe, sei für die Tonne. Ich brauche nur ein gutes Model, eine Kamera, ein Fenster und ein Verständnis für Lichtführung und Kompositionen.
Ich bin allen seinen Tipps gefolgt und wurde immer besser. Meine Bilder fanden Anklang in der Facebook-Community. So stark, dass ich total vergass, warum ich eigentlich fotografiere und ehrlich gesagt eigentlich nur noch für die Community knipste. «Yes, wieder 100 Likes mehr, und eine Verdoppelung der Reichweite. Ich glaube ich muss gut sein».
Danach habe ich angefangen selber Workshops zu geben. Das diese auch noch sehr gut gebucht waren, bestätigte mich in meiner Wahrnehmung, dass ich super gut bin, nur noch mehr.
Doch dann passierte was passieren musste, das nächste Motivationsloch kam. Ich habe mich an ein paar Tagen mit meinen Bildern auseinandergesetzt und bemerkt, dass ich bei weitem nicht da bin, wo ich gerne wäre. Keine Verbesserungen mehr in meiner Arbeit. Vor allem ist es mir aufgefallen, als ich meine Bilder mit den meiner Vorbilder verglichen habe.

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Wie komme ich weiter?

Ich habe mich mit meinem Mentor (vorheriger Coach) unterhalten. Dieser meinte, ich solle mal ein Coaching bei einem Fotografen buchen, welcher in einer anderen Sparte der Peoplefotografie tätig ist. Er hat mir einen Fotografen empfohlen und ich fuhr voller Vorfreude dahin. Das Coaching hat damit angefangen, dass er Bilder von mir und meinen Vorbildern auf den Tisch gelegt hat und mich gefragt hat was denn der Unterschied sei. Ich habe dann versucht über Komposition und Licht einen Unterschied zu finden. Bis er mich aufhielt und sagte: «Hör mal. Fotografieren kannst du und das Auge hast du auch. Der Unterschied liegt ganz wo anders.». Er meinte um an die Qualität meiner Vorbilder zu kommen, geht’s über das Fotografieren hinweg. Es braucht mehr Planung und Konzept. Und das richtige Team für den Shoot ist auch wichtig. «Was jetzt? Reicht Model, Visagistin und ich nicht?». Nein, es braucht zusätzlich noch Stylisten, jemand für das Haar und im besten Fall noch 1-3 Assistenten. Das Wichtigste aber, jeder vom Team muss genau wissen, was du vorhast. Daher braucht es Planung und Konzept.

Ich würde lügen, wenn ich nicht sagen würde, ich sei völlig demotiviert vom Coaching nach Hause gereist und hätte erst mal zwei Tage gebraucht um alles zu verarbeiten. Das Gute war jedoch, dass ich neuen Mut gefasst habe. Meine Shootings ging ich anders an als zuvor und erhoffte mir viel davon.

Rückschlag Nummer drei, wenn du bemerkst dass Fotografie nur noch ein Bruchteil deiner Arbeit ist

Dies war wohl mein bisher gröbsten Rückschlag. Ich habe in dieser Zeit so viel Zeit verbraten, jeweils ein Team zusammenzustellen und zusammen mit dem Team ein Konzept auszuarbeiten. Im schlimmsten Fall hat sich das halbe Team kurz vor dem Shooting zurückgezogen. Oder aber ich war so fest auf das Konzept fokussiert, dass ich die Kreativität vergass und sie während dem Shooting nicht mehr aufkommen liess. Währenddessen bemerkte ich, dass ich nicht mal mehr halb so viele Shootings hatte, da ich vor lauter Administration gar keine Zeit mehr fand. Aber eigentlich wäre es ja genau die Fotografie, welche mich so fasziniert.

Und da war es auch schon, das nächste Motivationsloch – und dieses Mal sogar ein richtig Derbes. Ich habe über ein halbes Jahr lang gar nichts mehr gemacht und mich völlig von meiner Passion zurückgezogen. Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf das Ganze.

Wie soll ich denn hier wieder raus kommen?

Ja, ich dachte, das wars jetzt. Kamera an den Nagel hängen und was Neues suchen. Bis ich von einem Shootingevent meines ersten Coaches erfahren habe.
Nach kurzem überlegen war für mich klar: «Da musst du teilnehmen!». Die Bilder, die ich durch seine Tipps machte, waren es ja, welche mir so viel Freude bereiteten. Vor Kurzem fand der Event statt und ich merkte, dass die Zeit vor dem letzten Rückschlag und die halbjährige Pause mir verdammt gut getan haben. Ich konnte meine Erfahrungen zusammenbringen, konnte ein total anderes Verhältnis zum Model aufbauen und habe während den Shootings andere Blickwinkel gesucht.
Als ich zuhause meine Bilder durchschaute, war ich richtig geflasht. So glücklich, dass ich vor Aufregung nicht schlafen konnte. Dieses Gefühl hatte ich schon eine elend lange Zeit nicht mehr. Ich habe das Feuer wieder gefunden und Fotografie ist meine Passion, mehr denn je zuvor.

Aber glaub mir…  …mein nächstes Motivationsloch wird wieder kommen. Wichtig ist nur, dass ich wieder einen Weg hinaus finde. 😉


 

Roger Schüeber

CMO von LINGS

Lieblingsgegenstand bei LINGS: Fujifilm X-Pro2

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